Akademie der Künste 

Ankunft der Gäste

Begrüßung durch Thomas Korbun, IÖW

Bernhard Lorentz, Vodafone Deutschland

Das Podium

Sigmar Gabriel

Achim Steiner, Hanns Michael Hölz

Petra Pinzler, Achim Steiner

Hanns Michael Hölz

Sigmar Gabriel, Achim Steiner

Get together

Reinhard Bütikofer im Gespräch

Rita Süßmuth im Gespräch

„Globale Märkte zwischen Klimapolitik und Innovation“
Sustainability Lounge vom 24.01.2007

Referenten:

Achim Steiner
Exekutiv-Direktor des United Nations Environment Programme (UNEP)

Sigmar Gabriel
Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)

Hanns Michael Hölz
Global Head Sustainable Development, Deutsche Bank AG


Presse:

Die Zeit, 01.02.2007: Energie für gutes Klima
Christiane Grefe über Achim Steiner und die Sustainability Lounge

Frankfurter Rundschau, 26.01.2007: Öko gehört zum Firmen-Image
Vera Gaserow über die Sustainability Lounge

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2007: "Pragmatischer Klimaschützer"
Konrad Mrosek über Achim Steiner



Die Diskussion:

Energieeffizienz – mehr als ein Modewort?

Bundesumweltminister Gabriel leitete die Podiumsdiskussion mit einem nachdrücklichen Plädoyer für mehr Energieeffizienz ein. Auch in Deutschland gäbe es derzeit noch große Einsparpotenziale, ohne dass diese Einsparungen zu Einschränkungen des Lebensstandards führen müssten. Ein Problem sei jedoch, dass im Bereich Energieeffizienz lediglich kleinere Projekte existierten und breiter wirksame Maßnahmen schwer umsetzbar seien. Dass Klimaschutz und Energieeffizienz gerade jetzt intensiver diskutiert werden, liege an dem neuartigen Druck, der – so Sigmar Gabriel - in erster Linie durch die wachsende Bevölkerung in Schwellenländern zustande komme: Bald würden vier Milliarden Menschen in industrialisierten Ländern leben und hieraus entstehe besonders im Verkehrssektor eine gigantische Nachfrage nach Energie.

Treiber in Richtung Nachhaltigkeit: Markt oder Staat?

Gefragt, ob der Druck für mehr Klimaschutz demnach eher vom Markt und den Bürgern, nicht jedoch von der Politik käme, räumte Sigmar Gabriel ein, dass Druck aus dieser Richtung schneller wirke. Dies machte er am Beispiel Feinstaub deutlich. Trotz der technischen Möglichkeiten habe sich der Einsatz von Partikelfiltern in Kraftfahrzeugen über Jahre verzögert. Die Kosten dafür habe die Allgemeinheit über die Gesundheitskassen übernommen. Eine marktwirtschaftliche Regelung nach dem Verursacherprinzip hätte möglicherweise schneller gewirkt.
Der Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Achim Steiner, griff dieses Argument auf. Marktwirtschaft, so Steiner, folge bestimmten Regeln, und besonders am Beispiel der Umweltpolitik werde deutlich, dass der Markt ein Konstrukt sei, das durch das Zusammenwirken von Präferenzen entstehe. Ethische Werte würden vom Staat vorgegeben, und hierdurch könnten ganz neue Märkte entstehen, wie die Beispiele des Kyoto-Protokolls und des Markts für Emissionszertifikate zeigten. Die Politik könne also die Richtung der Marktentwicklung verändern.
Auf die Frage hin, ob die Wirtschaft in diesem Prozess förderlich oder hinderlich sei, hob Steiner hervor, er sehe grundsätzlich zwei Gruppen von Unternehmen: Diejenigen, die Umweltschutz und Nachhaltigkeit lediglich für ihre PR nutzten, und diejenigen, die tatsächlich ernsthaft ihr Kerngeschäft veränderten. Ein Widerspruch entstünde dann, wenn einzelne Vorreiter-Unternehmen einen Schritt vorangehen wollten, Verbände und Ministerien ihnen dabei aber im Wege stünden.

Blick über die Grenzen

Im internationalen Vergleich habe Deutschland, so Steiners Einschätzung, seine Vorreiterrolle verloren und falle deutlich hinter Großbritannien, Frankreich und sogar die USA zurück. Dies sei auch darauf zurückzuführen, dass in diesen Ländern die verschiedenen Ministerien – etwa Umwelt- und Finanzministerium - besser zusammenarbeiteten als er es in Deutschland wahrnehme.
Hanns Michael Hölz, Global Head Sustainability der Deutschen Bank AG, schloss sich diesem Eindruck an. Damit sich die Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit entwickeln könne, sei jedoch eine dem gesellschaftlichen Konsens entsprechende Rahmensetzung durch die Politik notwendig. In den USA dagegen werde Nachhaltigkeit immer stärker marktwirtschaftlich geprägt. Hölz betonte, dass alle Stakeholder - Regierung, Wirtschaft, Konsumenten und Konsumentinnen - sich noch zu ruhig verhielten: Denn gerade im Klimaschutz sei jetzt schnelles Handeln notwendig.

Minister Gabriel hob an dieser Stelle die Wichtigkeit internationaler Regelungen hervor. Häufig gäbe es auf Unternehmensseite – beispielsweise bei Investmentfonds - eine große Bereitschaft, Regeln für mehr Nachhaltigkeit einzuhalten, aber nur unter der Voraussetzung, dass international die gleichen Bedingungen gelten. Die Angst vor Nachteilen für die internationale Wettbewerbsfähigkeit schränke die Bereitschaft der Unternehmen zu nachhaltigem Handeln häufig ein. Internationale Regeln seien auch für den Ausgleich zwischen Staaten von Bedeutung. Ein solcher Ausgleich könne nur durch materielle Unterstützung durch die Länder, die bislang ihren Reichtum auf Kosten anderer gewonnen hätten, erreicht werden. Aktuellstes Beispiel: Die illegale Lagerung von Giftmüll in der Elfenbeinküste. Dieses Beispiel zeige die Notwendigkeit, internationale Verantwortung zu übernehmen und auch finanzielle Unterstützung bereitzustellen. Auch der UNEP fehle es noch an Ressourcen, um weiterreichende Erfolge zu erzielen.

Was treibt uns zur Nachhaltigkeit?

Aufklärung, die Marktentwicklung und Katastrophen – dies sind laut Steiner die Faktoren, die zu nachhaltigem Handeln motivieren. Diese Faktoren müssten allerdings richtig zusammenwirken, um zu einem guten Ergebnis zu führen. Die Diskussion drehe sich zu häufig um die Frage, welche Aktivitäten wir uns wirtschaftlich leisten könnten. Notwendig für eine erfolgreiche nachhaltige Entwicklung sei eine multilaterale Plattform. Das Beispiel der Ozonzerstörung und des erfolgreichen Gipfels in Montreal zeige, wie innerhalb weniger Jahren neue Standards entwickelt und umgesetzt werden könnten.
Hölz bestätigte, dass dieses Beispiel grundsätzlich als Modell dienen könne, denn die Globalisierung biete auch eine Chance, da man im Bereich Klimaschutz nur mit internationalen Abkommen erfolgreich sein könne. Voraussetzung hierfür sei jedoch ein Paradigmenwechsel.

Konzerne in der Pflicht

Eine intensive Diskussion zwischen Gästen und Referenten fand zu Handlungsmöglichkeiten und Verantwortung großer Unternehmen statt, da diese sowohl die Politik als auch die Konsumentinnen und Konsumenten beeinflussen könnten. Gabriel beklagte eine Praxis von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden, öffentlich für Umweltschutz und Nachhaltigkeit einzutreten, aber zugleich im Hintergrund Gesetzesvorhaben und Regelungen in dieser Richtung zu torpedieren. Er forderte die Unternehmen nachdrücklich auf, ökologisch bessere Produkte erkennbar anzubieten und zu vermarkten. Steiner fügte zustimmend hinzu, dass es sehr wichtig sei, das Verhalten derjenigen Unternehmen, die sich glaubwürdig an Umweltschutzzielen orientierten, zu belohnen.

Emissionshandel in Deutschland

Auf die Frage aus dem Publikum, warum Deutschland sich nicht aktiv zum Vorreiter in Sachen Emissionshandel mache, antwortete Gabriel, Deutschland dürfe andere Länder nicht aus der Verantwortung nehmen. Zu hohe Einsparungen in Deutschland würden in anderen Ländern das Engagement bremsen. Zudem würde die starke Automobil- und Pharmaindustrie in Deutschland zu verstärkten Diskussionen beitragen. So würden Beschäftigte und Gewerkschaften mit dem Argument, die Umweltauflagen seien Schuld an einer schlechten Beschäftigungslage im Unternehmen, gegen die Umweltpolitik mobilisiert. Dies führe zu Angst auf Seiten der Bevölkerung. Die Politik setze dem meist nur Sach-Argumente entgegen. Gerade die Diskussion über Umweltpolitik bräuchte aber eine emotionale Komponente. Dort, wo eigene Betroffenheit spürbar sei, beispielsweise durch eigene Kinder, werde Sensibilität geweckt. Für die Klimadiskussion seien Werte wie Gerechtigkeit und Verantwortung von enormer Bedeutung – dies zeige sich besonders in Bezug auf die internationalen Beziehungen, wobei auch die exportierenden Länder die Verantwortung übernehmen müssten.

Der G8-Gipfel als Chance

Im Folgenden wurde der kommende G8-Gipfel als vielleicht erster ökologischer Gipfel beschrieben, auf dem Nachhaltigkeit und Klima im Zentrum stehen könnten. Themen könnten hier der neu entstehende und zu regulierende Biomasse-Markt sowie die Meeresüberfischung sein. Steiner bemerkte, dass er den G8-Gipfel im Gespräch mit Bundeskanzlerin Merkel angesprochen habe. Es fehle seitens der Politik nach seinem Eindruck weder an Aufklärung noch an Überzeugung für eine umweltorientierte Politik. Steiner forderte an dieser Stelle die Wirtschaft auf, der Regierung in Sachen Klima- und Umweltschutz öffentlich und im Hintergrund den Rücken zu stärken, da ein ökologischer G8-Gipfel auch eine Signalwirkung für China und Indien haben könne.

Die Diskussion wurde anschließend in kleinen Gruppen bei Imbiss und Getränken fortgeführt.

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